Mysterium Zwillingsnadel und ihre Alternativen

Wie ganz viele Näherinnen fing ich in der Elternzeit mit dem Nähen an. Ja, denn es gibt wirklich spannenderes als ein Baby zu hüten, besonders, wenn man das Glück hat, ein unkompliziertes Exemplar erwischt zu haben. Diese Exemplare schlafen nämlich viel und beschäftigen sich tatsächlich gerne selber. Schauen mit großen Augen in die Welt und brabbeln vor sich hin. Da braucht man eine Möglichkeit, sich zu Hause zu beschäftigen. Und nähen ist da optimal.

Das heißt aber auch, dass man das Nähen damit beginnt, Babykleidung zu nähen. Also bevor man sich mal gründlich mit der Materie „Nähen“ befasst, geht es meistens direkt an Jersey, der nunmal nicht der dankbarste Stoff beim Verarbeiten ist. Hier einen sauberen Abschluss der Nähwerke hinzubekommen ist auch für erfahrene Näherinnen nicht immer einfach. Meistens wird dann Bündchen als Abschluss genommen. Bei Babykleidung wirklich praktisch, aber spätestens, wenn die Kinder größer sind und / oder man etwas für sich selber näht, will man auch gerne mal Alternativen ausprobieren. „Mysterium Zwillingsnadel und ihre Alternativen“ weiterlesen

Männer benähen….

Ich habe mich lange dagegen gesträubt, meinen Mann zu benähen. Und ich mache es noch immer nicht gerne. Ich weiß gar nicht warum. Ist es der eigene Anspruch, es dann besonders perfekt zu machen? Die Angst, der Mann trägt es nur aus Höflichkeit oder (Gott bewahre) Mitleid? Oder einfach banale, rein praktische Gründe: Die laaaaaangen Nähte. Der hohe Stoffverbrauch? Oder die eingeschränkte Farbwahl aus Grau, Schwarz und „darf ruhig bunt sein“ = Dunkelblau.

Aber nachdem ich mir dann das Schnittmuster Miro für die ganze Familie zugelegt habe und auf dem Stoffmarkt dehnbaren Sweat gekauft hatte, musste ich ja irgendwann ran. Außerdem besaß ich mittlerweile eine Overlock-Maschine, die langen Nähte waren also auch kein Grund mehr… Also los! Als erstes pauste ich das Schnittmuster in der Größe meines Mannes ab und schnitt die einzelnen Teile aus. Allein das dauerte schon zwei Stunden. 20160308_154841Als nächsten Schritt plante ich (zusammen mit meinem Mann), welche Farben verwendet werden. Das führte dazu, dass der Pulli nicht mehr meinen Vorstellung entsprach, was meine Lust am Nähen noch mehr schmälerte.

Es dauerte nochmal zwei Wochen bis ich mich endlich an den Zuschnitt machte. Dann ging es aber recht zügig und kurz danach war der Pulli fertig. Unten senfgelb, die Arme grau und der Rest Olivgrün. Der Innenteil des Kragen aus dem süßen Bullistoff, den der Kleine ebenfalls am Pulli trägt. Also sogar bisschen Partnerlook. Feuerprobe also einigermaßen bestanden.

Beim nächsten Stoff-Onlinegroßeinkauf („Ich brauch nur Bündchen“), stolperte ich über einen wunderbaren Sommersweat in Jeansblau. Ein 1,90m Reststück im Angebot. 1,90m reicht für einen Papa-Pulli und einen Sohnemann-Pulli. Also gekauft. Diesmal sollte es wieder der Miro, aber ohne Unterteilung werden.Damit sich das Unterfangen nicht wieder Ewigkeiten hinzieht, habe ich auch am gleichen Tag der Lieferung noch zugeschnitten. Und wie das bei mir so ist: Wenn die fertigen Stoffteile vor mir liegen, gibt es kein Halten mehr. Also waren die beiden Pullis ratzfatz zusammengenäht. Da mir die aber etwas zu simpel erschienen, beschloss ich, meine neue, mit viel zu vielen Stichen ausgestattete Nähmaschine zu nutzen. Die hat nämlich einen ganz netten Fake-Coverstich. Und ich bin großer Fan von Covernähten. Also auffälligen, breiten Ziernähten. Ich nahm ein Stück vom Sweat und erstellte ein paar Probenähte in verschiedenen Farben. Mein Mann durfte sich dann eine Farbe aussuchen.

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Er wählte (wer hätte es geahnt) grau. Aber ich finde die Kombi auch recht schön, also war das genehmigt 😉 Ich nähte also über jede der vier Armnähte einen Fakecoverstich. Boah, dauerte das lange! Ich habe auch noch den Startknopf statt des Fußpedals genutzt und so war das Nähen dieser Ziernähte irgendwie wie das Fahren von 100km auf einer leeren Autobahn. Mit Tempomat. Mit 80 km/h. Gääääähn…..

Aber ich finde, es hat sich gelohnt. Die Covernähte werten den Pulli doch enorm auf.

Da mein Mann keine Kapuzen sonderlich mag, stellte sich nun die Frage, welcher Kragen. Er stellte mich wiedermal vor eine schier unlösbare Aufgabe „Irgendwas cooles so an der Seite“. Ahja.

Nachdem ich im Internet suchte, Facebookgruppen befragte und mich bei Pinterest inspirieren ließ, entschied ich mich für einen Wickelkragen mit Paspel am Rand. Nach einigem hin und her, Schnittmuster ausschneiden zusammenlegen, neu abpausen…. war endlich das Schnittmuster fertig. Und kurz danach auch der Kragen. Leider wurde es überhaupt gar nicht so, wie ich mir vorgestellt habe. Die Paspel ist ganz furchtbar eingenäht. Ausgerechnet vorne sieht man zwei Nähte (meine und die der Paspel), der Kragen ist zu hoch für seine dicke, oder anders gesagt, der Kragen ist zu dünn für seine Höhe. Dadurch steht er nicht, sondern fällt in sich zusammen. Mit etwas hinzuppeln und fixieren war der Kragen aber dann ok. Und eins ist er ganz sicher: Individuell!

Für den Kleinen habe ich den Kragen etwas vereinfacht. Unten ist er einfach gerade und statt einer Paspel gab es nur eine Fakepaspel, also ein Streifen Jersey, der erst festgeheftet wird und dann wie eine Paspel eingenäht wird. Aber das stört ja nicht. Im Gegenteil. Hier passt auch Höhe und Kragenstärke und ich finde, er sieht sehr süß aus!

Nächstes Problem war dann, passendes Bündchen zu bekommen. Im Onlineshop gab es keinen, also bin ich die örtlichen Stoffgeschäfte abgefahren, ausgerüstet mit einem Stück vom Sweat und habe nach passendem Bündchen gesucht. Natürlich habe ich KEIN Bündchen gefunden…. Also habe ich doch online bestellt, was ja ein halber Blindflug ist, wenn man einen ganz bestimmten Farbton sucht. Aber da war dann ein passendes Bündchen dabei. Glück gehabt 😎

Und hier das Ergebnis. Also ich finde den Partnerlook ja total süß.

Der Pullischnitt für alles

Nach Mütze und Hose wurde ich selbstbewusst. Ein Pullover sollte her! Da ich mir viel Wissen bei den Mädels von mamahoch2 angelesen hatte, nahm ich auch den dort erhältlichen Schnitt „Autumn Rockers“. Ein einfacher Pullover mit Raglanärmeln.

Beim Zuschnitt merkte ich schon, dass etwas mehr Aufwand dahinter steckt als bei Hose und Mütze. Und die Ärmel kamen mir RIESIG vor. Gut, dass der (teurere) Motivstoff bei mir immer an Vorderteil und Rücken ist, die Ärmel meist uni. 😉autumnrocker (3)

Beim Zuschneiden sollte man bei den normalerweise asymetrischen Ärmeln immer die Hinterseite markieren. Ebenso sollte man Vorderteil und Hinterteil entsprechend markieren. Ich persönlich habe mir von Anfang an angewöhnt, alle hinteren Seiten mit einer Nadel zu markieren. Wo bei mir also eine Nadel im Stoff steckt, ist immer hinten.

Bei meinem ersten Pulli habe ich bereits Armpatches angenäht. Einfach mit einer Nadel festgesteckt und mit einem Zickzackstich festgenäht. Supereinfach und sieht schick aus.

Es dauerte ungefähr 2 Stunden bis mein allererster Pullover fertig war. Mann, war ich stolz!!!!

autumnrocker (1)Was mir aber immer wieder passiert, wenn ich mal wieder nicht aufpasse: Ich nähe den zweiten Ärmel falsch herum an. Also links auf recht. Jedesmal aber der klassische Fall von: „Sieht irgendwie komisch aus. Aber erstmal die Naht fertig nähen, DANN gucken“

Und so wie links sieht das dann aus…. da hilft nichts als auftrennen, nochmal nähen. Passiert natürlich immer dann, wenn man es eilig hat. Hier in dem Fall war es ein Geburtstagsgeschenk, das zwei Stunden später fertig sein musste…. Hat aber noch geklappt und sowohl Geburtstagskind als auch Mama waren glücklich 😉

 

Ich nähe immernoch gerne nach dem Schnittmuster. Ergänzt um Kapuze, mit Applikation, Knopfleiste, lange Arme, kurze Arme, Rollsaum, Bündchen…. es entstehen immer wieder neue Unikate. Ein toller, variabler Schnitt!