Challenge Accepted

Als ich den Probenähaufruf von Waldgefährten las, habe ich mich direkt beworben. Das Label Waldgefährten hat wunderschöne Ebooks für kleine Kuscheltiere. Besonders beliebt und bekannt ist hier „Reh Emmi“, in das ich mich schon lange verliebt hatte. Beim Probenähen sollte es um ein neues Ebook gehen, aber dieses Mal nicht für Kuscheltiere, sondern für ein Kleidungsstück. Welches, wurde jedoch nicht verraten.

Da ich aber die Tiere von Waldgefährten soooo süß finde, war für mich klar, dass auch das Kleidungsstück schön sein musste. Ich wurde auch tatsächlich ausgewählt und fand mich in der Facebook-Probenähgruppe wieder. Hier gab es dann ersteinmal zwei Tage lang Spekulationen, was denn nun genäht werden würde. Bis ENDLICH aufgelöst wurde: Ein Poncho. Ein leicht ausgestellter Poncho im Waltgefährten-Style. Hm. Während also viele jubelten und sich freuten, war ich unsicher. Ein Poncho? Für einen Jungen? Auch noch mit Öhrchen und Schwänzchen? Hm. Ich bin eigentlich ziemlich unempfindlich was dieses Jungs-Mädchen-Ding angeht. Und der gezeigte Prototyp war herzzerreißend süß. Keine Frage. Aber Poncho für einen Jungen??? Das ist irgendwie wie ein Kleid für einen Jungen…. Nachdem ich beim letzten Mal noch groß getönt habe, man solle nur mitmachen, wenn man das Kleidungsstück wirklich gebrauchen kann…. hm. Aber andererseits:

Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? 😎

Und einen ausgestellten Waldtier-Poncho jungstauglich zu gestalten ist immerhin spannender als die 1000. Pumphose oder das 5000. Raglanshirt. Und der Stoffverbrauch bei Größe 80 ist ja auch überschaubar. Und es ist für Waldgefährten! Also sagte ich mir: Challenge Accepted! Das bekommst du hin! Machen wir das Rotkäppchen-Poncho-Cape jungstauglich.

Ich hatte nur keine Ahnung wie.

Das Schnittmuster ließ noch etwas auf sich warten und wir nutzen die Zeit, um innerhalb der Gruppe Ideen zu sammeln, das ganze auch jungstauglich zu machen. Zum einen natürlich, indem man einfach das ganze als Badeponcho aus Frottee näht, zum anderen war die Materialwahl ein wichtiges Thema. Ich hatte schon beim letzten Besuch im Stoffladen die Idee, das ganze aus weichem, dehnbaren Kunstleder oder braunem Jeansstoff zu machen. Ich dachte auch daran, unten und in der Mitte ein Gummi einzuziehen und das ganze so eher Richtung Parka gehen zu lassen. Aber irgendwie würde dann ja auch der Waldgefährten-Charme verloren gehen.

Also beschloss ich, ersteinmal etwas Probestoff zu nehmen (hatte vom letzten Probenähen noch den Schlimmen Schlabber-Jersey) und nähte einfach mal darauf los. Angezogen würde mir da sicher was einfallen.

Und so entstand dann das erste Probestück:

Die hier gezeigte Armlösung war alles andere als brauchbar. Viel zu eng. Aber ich fand, dass ein Poncho für einen Jungen absolut geht! Ein bisschen sieht es aus wie eine Ritterkutte, aber süß ist es auf jeden Fall!

Nachdem das Schnittmuster überarbeitet wurde, machte ich mich an den ersten „richtigen“ Poncho. Immernoch aus günstige Stoffen, aber diesmal schon mit Tiergetüdel (ich wählte den Wolf). Ich probierte zwei verschiedene Armabschlussvarianten, setzte die Ohren anders als vorgesehen, probierte etwas bei der Schwanzapplikation herum und verpasste dem guten Stück auch noch die typischen Augen der Waldgefährten.Am Ende war ich dann ganz verliebt in das gute Stück:

Bei der Anprobe stellte sich heraus, dass der Poncho bei einem solch starren Stoff doch sehr bullig sitzt. Auch das sind Erkenntnisse aus einem Probenähen: Wie sitzt der Schnitt bei unterschiedlichen Materialien?

Da noch nicht viele bisher eine Tiervariante genäht hatten, konnte ich mich danach Probenäh-mäßig ersteinmal zurück lehnen. Und das war auch gut so, denn es ging für ein paar Tage in den Urlaub.

Andererseits war ich erstaunt, dass doch viele Näherinnen über Wochen hinweg nichts nähten. Natürlich geht die Familie vor, und ja, es kommt auch oft etwas dazwischen. Es ist ja auch „nur“ ein Hobby. Aber naja… Wenn ich mich zu einem Probenähen bereit erkläre, dann sollte ich ja auch die Zeit finden, entsprechend zu unterstützen. Und nicht erst nur das fertige Schnittmuster nehmen und noch ein Beispiel fürs Foto nähen…. Denn nur mit ausreichendem Feedback kann  ein Schnittmuster entwickelt werden. Das ist ein Geben und ein Nehmen. Auch ich habe dann eben mal nur 30 Minuten zwischendurch genäht. Oder habe mich ans Schnittmuster kleben gemacht, obwohl ich grade gar keine Lust dazu hatte. Das ist für mich einfach selbstverständlich. Schließlich ist die Schnittmustererstellerin auf Rückmeldungen angewiesen. Wirklich ärgerlich, wenn dann einfach kaum etwas passiert. Und wir sprechen hier von einem Probenähzeitraum von vielen Wochen, also wer da keine Zeit findet, hat vielleicht auch zuviele andere Projekte laufen, wer weiß? Aber naja, ich bin bei sowas auch etwas genauer als andere. Ist es ja auch nicht MEIN Problem, ich erstelle ja keine Schnittmuster. 😉

Zurück zum Poncho! Daheim aus dem Urlaub gab es dann auch schon mehr wunderschöne genähte Tiervarianten zu bewundern, mehr tolle Ideen und auch eine weitere überarbeitete Version des Schnittmusters. Daher nähte ich eine weitere Variante. Ich blieb beim Wolf, aber diesmal aus Sweat, was auch der ursprünglichen Stoffempfehlung für den Poncho entspricht.

Das Ergebnis war wirklich süß und der Wolf passte super. Hier sieht man auch schön, wie sich das „Gesicht“ des Wolfs während des Probenähens verändert hat. Zarter und eleganter ist er geworden.

Meine finale Version hatte ich damit schon. Eigentlich wollte ich noch einen Fuchs nähen, aber ich hatte dazu noch keinen passenden Stoff gefunden. Das Enddatum fürs Probenähen wurde dann auch festgelegt. Daraufhin gaben dann auch noch weitere Probenäherinnen etwas mehr Gas und es gab jeden Tag Neues zu bewundern! Und auch die ersten finalen Bilder trudelten ein. Eines schöner als das andere! Wiedermal faszinierend, wie das selbe Kleidungsstück auf einem schnellen Handyfoto unscheinbar und uninteressant wirkt und auf einem liebevoll gemachten Foto plötzlich ganz fantastisch aussieht! Auf einmal fand ich es gar nicht mehr so schlimm, dass von einigen über Wochen hinweg keine Rückmeldung kam. Bei DEN Ergebnissen!

Und auch ich musste nun mal ordentliche Bilder machen. Und da stand ich vor einem ganz praktischen Problem: Es war eine Hitzewelle mit Temperaturen weit über 30 Grad. Auch Abends noch. Da kann man ja kein Kind in einen kuscheligen Poncho packen! Aber da so ein Kleinkind ja gerne dafür sorgt, dass man früh aufsteht (sehr früh!), habe ich den inneren Schweinehund überwunden und fuhr an einem Sonntag morgen VOR dem Frühstück mit dem Kleinen in den Wald zum Fotos machen. Riesen Dank hier an meinen Traum von Mann, der nur mit ganz wenig Gegrummel mitkam, um mich zu unterstützen. Und hier waren natürlich wieder die alten Probleme. Man soll das Genähte gut sehen, aber nicht das Gesicht (ich bin da zwar recht offen, aber in diesem Fall stelle ich das finale Bild ja jemand anderem zur freien Verfügung!). Das Bild soll stimmungsvoll sein, aber die Farben nicht zu verfälscht…. Alles in allem wieder eine komplizierte Angelegenheit, besonders mit einem Kleinkind, das natürlich kaum ruhig hält. Da ich kein Profifotograf bin und auch nur eine mittelgute Kompaktkamera besitze, hilft da nur eine Flut aus Bildern zu machen. Von denen die meisten verwackelt sind oder schlichtweg doof aussehen. Aber der ein oder andere (Glücks-) Treffer ist dann doch immer dabei.

Und was soll ich sagen? Die Morgensonne bescherte uns sogar extra tolle Bilder! Ich hab dann noch ein wenig bearbeitet, Logo eingefügt, Farbtemperatur angepasst und sowas und stand dann vor der Qual der Wahl.

Da mir eigentlich alle Bilder gut gefallen haben, überließ ich der Schnitterstellerin die Auswahl. Die legt ja nochmal einen anderen Fokus. Was soll man sehen, von welche Ansicht gibt es genug andere Bilder… sowas eben.

14224784_1739770809625567_1186000975737015028_nFür mich war das Probenähen dann fast beendet. Es gab noch einen „Teaser“, also eine Vorankündigung des Schnittmusters. Dafür wählte ich folgendes Bild, was ich dann fleißig in einigen Nähgruppen posten wollte. Leider werten das manche Gruppen als Werbung und erlauben das nicht, ebenso wie der Post zu diesem Beitrag. Schade. Aber naja, so ist das eben.

Währenddessen wurde noch etwas an der Anleitung gefeilt, die Formulierungen überdacht, geschaut, ob die Bilder sinnvoll ausgewählt sind… aber die meiste Arbeit liegt hier natürlich bei der Schnitterstellerin selber.

Und nun ist es soweit, das Schnittmuster wurde veröffentlich. Man ist schon ziemlich stolz, wenn das eigene Werk ein Bestandteil davon ist. Und die Nähwelt wird sich freuen. Ein Kinderponcho kommt genau zur richtigen Zeit. Der Herbst kündigt sich langsam an und Ponchos liegen ja total im Trend. Perfekt!

So, und wer jetzt auch unbedingt einen Poncho für den Nachwuchs nähen will: Hier geht es zum Shop der Waldgefährten, wo ihr das Ebook ab sofort bekommt! *klick*

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